Der letzte Handweber
Es gibt sie kaum noch, die Handweber. Einst waren Weber angesehene Handwerker, von denen es allein im Südtiroler Pustertal etliche gab. Die Weberzunft im Hochpustertal genoss bis ins 19. Jahrhundert in Europa großes Ansehen.
Herman Kühebacher aus Innichen ist heute wohl der einzige Handweber, der sich den überlieferten Techniken bedient, um in seiner Werkstatt in Welsberg wunderschöne Stoffe und Produkte aus diversen Naturmaterialien wie Schafwolle und Leinen zu fertigen.
„Die Philosophie muss stimmen“, so Hermann, und bezieht sich damit auf die Durchgängigkeit seiner Weltanschauung während aller Schritte des Fertigungsprozesses – von der Wahl der Rohstoffe über die Bearbeitung der Materialien bis hin zur Verarbeitung am Webstuhl.
Hermann verwendet für seine Stoffe und Produkte ausschließlich Naturfasern, die er, wo möglich, von heimischen Bauern bezieht. Viel der von ihm verarbeiteten Schafwolle stammt aus dem Südtiroler Vinschgau und aus dem Pustertal.
Bei Rohstoffen, die zugekauft werden, bspw. Alpaka, Vikunia, Kaschmir, Seide und Leinen, achtet der auf artgerechte Tierhaltung und fairen Handel. Aus diesen Gründen kauft er meist über kleine Kooperativen, die den erzeugenden Bauern einen gerechten Verdienst sichern.
Die Färbung erfolgt mit Naturfarben, für das Walken der Wollstoffe verwendet Hermann nur Wasser und Seife, und nicht etwa Schwefelsäure, wie in der industriellen Produktion üblich.
Anfangs fertigte er vor allem Meterware aus Leinen und Wolle. Zwischenzeitlich kommen aus seiner Werkstatt Produkte wie Woll- und Tischdecken, Vorhänge, Teppiche, Schals, Bade-, Sauna- und Handtücher sowie Produkte aus gewalkter Wolle.
Jedes seiner Produkte ist ein liebevoll gefertigtes Einzelstück.
Wer Hermann und seine Produkte kennenlernen möchte, kann ihn in seiner Werkstatt in Welsberg besuchen. Adresse und Öffnungszeiten findet ihr auf seiner Website.
Vielleicht kennt ihr Hermann ja nicht nur als engagierten Weber, der am Webstuhl alten Traditionen nachspürt, sondern auch als Mitglied der über die Landesgrenzen hinweg bekannten Musikgruppe „Titlà“, die neue Südtiroler Volksmusik mit teils keltischen und jiddischen Einflüssen zum Besten gibt.
Ich habe vor vielen Jahren bei Hermann, damals noch in seiner Werkstatt in Innichen, einen wunderschönen Lodenstoff gekauft, von dem ich mir von einem Schneider in Sexten einen Lodenmantel fertigen ließ, den ich noch heute trage. Ein zeitloser Gegenstand, an dem man ein Leben lang Freude hat.
